Sollzins und Effektivzins – was ist der Unterschied?

In jedem Kreditangebot stehen zwei Prozentsätze, und sie stimmen selten überein. Die Kurzfassung: Mit dem Sollzins berechnest du deine Rate, mit dem Effektivzins vergleichst du Angebote.

Sollzins: der vereinbarte Preis

Der Sollzins, früher oft Nominalzins genannt, ist der Zins, den du mit der Bank vereinbarst. Aus ihm ergeben sich die Zinsen jeder Rate. Bei 150.000 € und 3 % fallen im ersten Monat 150.000 × 3 % ÷ 12 = 375 € an.

Gebühren und die unterjährige Zahlweise sind im Sollzins nicht enthalten. Für sich allein kann er ein Angebot deshalb günstiger aussehen lassen, als es ist.

Effektivzins: der vergleichbare Preis

Der effektive Jahreszins rechnet die Kosten eines Kredits, die die Preisangabenverordnung vorgibt, in einen einheitlichen Jahreswert um. Dazu gehören neben dem Sollzins auch die Zahlungsweise und bestimmte weitere Kosten. Banken müssen ihn bei Krediten an Verbraucher angeben.

Zwei Effekte erklären den Unterschied

1. Die Zahlungsweise. Auch ganz ohne Gebühren liegt der Effektivzins über dem Sollzins, wenn du monatlich zahlst. Bei 3 % Sollzins:

Effektivzins = (1 + 0,03 ÷ 12)^12 − 1 = 3,04 %

Du zahlst schon im Laufe des Jahres zurück, und das entspricht einem etwas höheren Jahressatz.

2. Zusätzliche Kosten. Dieser Effekt wiegt meist schwerer. Nehmen wir 150.000 € über 20 Jahre mit 3 % Sollzins und 831,90 € Monatsrate:

Ohne Kosten Mit 2.000 € einmaligen Kosten
Sollzins 3 % 3 %
Monatsrate 831,90 € 831,90 €
Tatsächlich verfügbares Geld 150.000 € 148.000 €
Effektivzins, ungefähr 3,04 % 3,19 %

Die Rate ist identisch, doch im zweiten Fall zahlst du denselben Betrag für weniger Geld. Der Sollzins verbirgt das, der Effektivzins zeigt es. Bearbeitungsgebühren dürfen Banken bei Verbraucherdarlehen nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs grundsätzlich nicht verlangen. Kosten können aber auf anderen Wegen entstehen. Prüfe daher, was dein Angebot enthält.

Wofür du welchen Wert nimmst

Was der Effektivzins nicht zeigt

So vergleichst du zwei Angebote

  1. Gleiche die Eckdaten an. Darlehensbetrag, Sollzinsbindung, Tilgung und Beleihung müssen übereinstimmen.
  2. Vergleiche Effektivzins und Restschuld. Beide Werte zusammen zeigen, wie viel du zahlst und wie viel dann noch offen ist.
  3. Prüfe die Extras. Sondertilgungsrecht, Tilgungssatzwechsel und bereitstellungszinsfreie Zeit haben einen Wert.
  4. Frag nach Zusatzprodukten. Eine Versicherung oder ein Bausparvertrag kann als Bedingung den Preis erheblich verändern.
  5. Lass dir das Europäische Standardisierte Merkblatt geben. Es bereitet die wichtigsten Daten bei Immobilienkrediten einheitlich auf und erleichtert den Vergleich.

Ein Warnzeichen

Dispositionskredite und Ratenkäufe können zweistellige Effektivzinsen haben. Bei 12 % verdoppelt sich eine unbezahlte Schuld nach der 72er-Regel in rund sechs Jahren. Sieh dir in solchen Fällen immer den Betrag in Euro an. Wie du weiter vorgehst, erklärt Schulden tilgen oder sparen?. Wie sich deine Rate zusammensetzt, zeigt so funktioniert ein Annuitätendarlehen.

Quellen

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