Die 72er-Regel – wann verdoppelt sich dein Geld?

Die 72er-Regel ist eine Abkürzung für Kopfrechner. Du teilst 72 durch die jährliche Rendite in Prozent und erhältst ungefähr die Zahl der Jahre, nach denen sich dein Geld verdoppelt hat.

Jahre bis zur Verdopplung ≈ 72 ÷ jährliche Rendite

Bringt eine Anlage 6 % im Jahr, ergibt das 72 ÷ 6 = 12. Nach rund 12 Jahren wären aus 10.000 € also 20.000 € geworden. Einen Taschenrechner brauchst du dafür nicht, und genau das ist ihr Nutzen: Du kannst eine Zahl einordnen, während dir jemand davon erzählt.

Wie genau sie ist

Die Tabelle vergleicht die Regel mit dem exakten Wert:

Rendite 72er-Regel Exakter Wert
1 % 72 Jahre 69,7 Jahre
2 % 36 Jahre 35,0 Jahre
3 % 24 Jahre 23,4 Jahre
4 % 18 Jahre 17,7 Jahre
6 % 12 Jahre 11,9 Jahre
8 % 9 Jahre 9,0 Jahre
10 % 7,2 Jahre 7,3 Jahre
12 % 6 Jahre 6,1 Jahre
20 % 3,6 Jahre 3,8 Jahre

Zwischen 3 % und 12 % liegt die Abweichung bei wenigen Monaten. Außerhalb dieses Bereichs wird sie größer, aber für eine erste Einschätzung reicht die Regel weiterhin.

Warum sie funktioniert

Verdoppeln bedeutet, dass (1 + r) hoch die Zahl der Jahre 2 ergibt. Beim Auflösen taucht der natürliche Logarithmus von 2 auf, und der beträgt 0,693. Bei sehr niedrigen Zinsen wäre deshalb eine 69,3er-Regel am genauesten.

Dass man trotzdem 72 nimmt, hat zwei Gründe: Die Zahl gleicht den Fehler bei üblichen Renditen von 6 bis 10 % aus, und sie lässt sich glatt durch 2, 3, 4, 6, 8, 9 und 12 teilen. Sie ist fürs Kopfrechnen gemacht.

Fünf praktische Anwendungen

1. Die nötige Rendite bestimmen. Die Regel funktioniert auch rückwärts. Willst du dein Erspartes in 10 Jahren verdoppeln, brauchst du rund 72 ÷ 10 = 7,2 % im Jahr.

2. Zweifelhafte Versprechen erkennen. Wer dir eine Verdopplung in zwei Jahren anbietet, verspricht rund 36 % im Jahr. Als sichere Rendite ist das nicht glaubwürdig. Ein Betrug ist damit nicht bewiesen, du hast aber allen Grund, genau nachzufragen.

3. Die Inflation einordnen. Steigen die Preise um 3 % im Jahr, verdoppeln sie sich in rund 24 Jahren. Mit anderen Worten: Für untätiges Geld bekommst du dann nur noch halb so viel. Mehr dazu in wie Inflation dein Erspartes trifft.

4. Die Kosten von Schulden sehen. Ein Kreditkartensaldo mit 18 % Zinsen verdoppelt sich in rund vier Jahren, wenn du nichts zurückzahlst. Es ist dieselbe Rechnung, nur gegen dich. Deshalb lohnt es sich, teure Schulden zuerst zu tilgen.

5. Den Preis von Gebühren berechnen. Eine Anlage mit 7 % Rendite verdoppelt sich in rund 10,3 Jahren. Gehen davon 1 % an Kosten ab und bleiben 6 %, dauert es 12 Jahre. Ein einziger Prozentpunkt verzögert jede Verdopplung um fast zwei Jahre.

Wie viele Verdopplungen du erlebst

Die Regel zeigt auch, was Zeit bewirkt. Bei 6 % im Jahr werden aus 10.000 €:

Jede Verdopplung dauert gleich lang, bringt aber mehr Geld als die vorige. Darum zählen die letzten Jahre beim langfristigen Sparen so viel, und darum wirkt sich ein früher Start bei der Altersvorsorge so stark aus.

Wo die Regel an Grenzen stößt

Eine brauchbare Schätzung liefert sie nur unter bestimmten Bedingungen:

Für eine exakte Rechnung mit monatlicher Sparrate nutze den Zinseszinsrechner. Woher der Effekt kommt, erklärt so funktioniert der Zinseszins.

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